Warum diese Kampagne?

In der Hansestadt Rostock und dem Landkreis Rostock wurde im Frühjahr 2016 das Thema "Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?" schon aufgenommen. Flächendeckend wurden an Litfaßsäulen und Werbewänden mit einem Plakat und mit den CityCards Eltern darauf aufmerksam gemacht.

Daran knüpft die landesweite Kampagne an. Mit dem Plakat und den CityCards aus der Hansestadt und dem Landkreis Rostock sowie einem 2. Plakatmotiv, sollen Eltern landesweit sensibilisiert werden, darüber nachzudenken, wie oft sie mit dem Smartphone  beschäftigt sind und dabei ihre Kinder ignorieren.

Viele Erzieherinnen berichten davon, dass Eltern häufig mit dem Smartphone beschäftigt sind, wenn Sie ihre Kinder abholen, ohne es zu begrüßen oder mit ihm zu sprechen. Dabei hat auch das Kind einen erlebnisreichen Arbeitstag hinter sich und viel zu berichten. Auch auf Spielplätzen oder in der Stadt kann man dieses Phänomen beobachten. 

Verschiedene Umfragen und Studien zeigen auf, dass Kinder sich von ihren Eltern aufgrund von Handynutzung vernachlässigt fühlen.

Laut einer Studie in Norwegen, gaben 11 % der befragten Mädchen und Jungen an, dass sie sich wegen des Internets von ihren Eltern vernachlässigt fühlen.  Die Kinder bemängeln nicht etwa die körperliche Abwesenheit, sondern die mentale: Über Smartphones und andere Internetzugänge würden die Eltern einfach verschwinden. Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Yougov bestätigt diesen Trend für Schweden. Dort ist es sogar jedes dritte Kind, das darunter leidet, dass sich seine Eltern oft lieber mit ihrem Handy als dem eigenen Nachwuchs beschäftigen.  Zwölf Prozent der Eltern gaben zu, ihre Kinder auf Spielplätzen oder Schwimmbädern nicht genügend beaufsichtigt zu haben, weil sie mit ihren Smartphones beschäftigt waren. AVG befragte 6.000 Personen um das Verhältnis zwischen Eltern, Kindern und Smartphones zu untersuchen. Dabei fanden 54 % der Kinder, dass ihre Eltern zu viel mit dem Smartphone beschäftigt sind, 32 %  der Kinder fühlen sich unwichtig, wenn ihre Eltern vom Smartphone abgelenkt sind. Gleichzeitig gaben 52 % der Eltern an, dass sie das   Smartphone zu oft zu nutzen.Es gibt noch keine Zahlen, die den Umgang von deutschen Eltern mit der Smartphone-Nutzung und einer möglichen reduzierten Aufmerksamkeit auf die Kinder belegen, aber ein Blick auf die heimischen Spielplätze, Freizeitanlagen oder ähnliches zeigen häufig ein ähnliches Szenario. Für die gesunde Entwicklung eines Kindes ist die Auseinandersetzung mit den Eltern, ihrer Aufmerksamkeit und ihrem Lob unersetzlich, damit eine Bindung entsteht.Die intensive Smartphonnutzung der Eltern führt zu:

  • Verzögerungen in der Sprachentwicklung bei Kindern, weil Eltern, die ständig das Handy nutzen oder im Internet surfen, zu wenig mit ihrem Nachwuchs kommunizieren.
  • Kinder, die sich zu wenig beachtet fühlen, könnten in Depressionen fallen.
  • Wenn Eltern ständig durch das Handy abgelenkt sind, dann ist es für die Kinder schwierig, daran zu glauben, dass sie wirklich wahrgenommen werden. Bei ihnen könnte sich der Eindruck verinnerlichen: "Das Handy ist wichtiger als ich!"
  • Das Verhalten der Eltern führt langfristig zu Bindungsproblemen. 
    (Hamburger Psychologe und Autor Michael Thiel)

Einige Erkenntnisse aus „Mediatisierung Mobil - Handy- und mobile Internetnutzung von Kinder und Jugendlichen“ (LfM Schriftenreihe Medienforschung) 

  • Neben expliziten Handyerziehungsmaßnahmen hat insbesondere das Vorbildverhalten der Eltern und ihre Beziehungsqualität zum Kind Einfluss auf den Umgang mit dem Handy.
  • Kinder, deren Eltern selbst eine ausgeprägte Nutzung zeigen, nutzen das Handy ebenfalls aktiver – auch auf eine riskant-negative Weise.
  • Da 15 % der befragten Eltern so gut wie gar keine Handyerziehung betreiben, sollte diese Gruppe verstärkt aufgespürt, angesprochen und motiviert werden.
  • Kinder sind geborene Nachahmer, von Geburt an beginnen Kinder, das Verhalten von Erwachsenen nachzuahmen. Das macht Eltern – ob wir uns dessen nun immer bewusst sind oder nicht – zu Vorbildern. Durch das „Vorleben“ der Eltern lernen Kinder Verhalten, Einstellungen und Gefühle – mehr noch als durch gezielte Erziehungsmaßnahmen oder wortreiche Erklärungen. Und genau darin liegt eine große Chance für entspannte und erfolgreiche Erziehung, gerade auch im Umgang mit dem Smartphone.